Ein Kameraobjektiv ist kein gewöhnliches Stück Glas. Moderne Objektive verfügen über mehrere dünne Beschichtungen, die die Lichtbrechung verbessern, Reflexionen reduzieren und dabei helfen, Schmutz abzuweisen. Diese Beschichtungen sind empfindlich und können bei falscher Reinigung dauerhaft beschädigt werden. Kratzer auf der Frontlinse sind meist nicht die Folge von Staub oder Sand, sondern von nachlässigem Putzverhalten. Wenn du mit einem trockenen Tuch über ein Objektiv reibst, auf dem feine Körnchen liegen, reibst du diese Körnchen geradezu in die Beschichtung ein. Das ist ein häufiger und völlig vermeidbarer Fehler.
Außerdem sind Kameraobjektive nicht nur an der Außenseite mit empfindlichen Dichtungsfugen verklebt. Feuchtigkeit, die entlang des Randes nach innen zieht, kann Kondenswasser im Objektivtubus verursachen und im schlimmsten Fall Schimmel auf den Innenelementen. Schimmel lässt sich praktisch nicht ohne professionelle Demontage entfernen. Deshalb ist es wichtig, immer mit möglichst wenig Flüssigkeit zu arbeiten und niemals direkt auf das Objektiv zu sprühen. Die Faustregel ist einfach: Verwende zuerst einen trockenen Blasebalg, um losen Schmutz zu entfernen, und gehe erst danach zu einer feuchten Reinigungsmethode über.
Viele Fotografieprobleme beginnen nicht an der Kamera selbst, sondern an einem Objektiv, das durch gut gemeinte Pflege unbeabsichtigt beschädigt wurde. Nachfolgend die größten Fehler, die fast jeder einmal macht.
Wenn du direkt mit einem Mikrofasertuch über ein staubiges Objektiv reibst, wirken die Staubpartikel wie Schleifpapier. Selbst die feinsten Sandkörner hinterlassen Mikrokratzer, die auf Dauer den Kontrast und die Schärfe deiner Fotos beeinträchtigen. Puste oder bürste immer zuerst den losen Schmutz weg.
Reinigungsflüssigkeit gehört auf das Tuch, nicht auf das Objektiv. Wenn du Flüssigkeit direkt auf die Frontlinse sprühst, kann sie entlang der Ränder in die Objektivfassung laufen. Dort befinden sich Dichtungsfugen und bewegliche Teile, die nicht für den Kontakt mit Flüssigkeiten vorgesehen sind. Außerdem riskierst du, dass du Schlieren sogar noch verstärkst, statt sie zu beseitigen.
Glasreiniger mit Ammoniak, Alkohol oder scheuernden Bestandteilen ist fatal für die Antireflexbeschichtung eines Objektivs. Diese Mittel können die Beschichtung chemisch angreifen, wodurch das Objektiv matt wird und anfälliger für Reflexionen. Auch sogenannte Allzweckreiniger sind abzuraten, da sie oft Parfüm, Farbstoffe oder Fettlöser enthalten, die Rückstände hinterlassen.
Ein Mikrofasertuch, das Schmutz aufnimmt und danach erneut verwendet wird, ohne gefaltet zu werden, verteilt diesen Schmutz über den Rest des Objektivs. Verwende jedes Mal einen sauberen und trockenen Teil des Tuchs und falte es bei jeder Wischbewegung erneut.
Eine gute Reinigungsroutine beginnt immer mit dem Entfernen von losem Schmutz. Verwende dafür einen Objektivblasebalg oder eine weiche Objektivbürste. Puste zuerst über die Oberfläche, um Staub zu entfernen, und bürste danach eventuell hartnäckigere Partikel weg. Dieser Schritt verhindert, dass du beim Nassreinigen Schmutz über die Beschichtung schiebst.
Erst danach kommt die Flüssigkeit ins Spiel. Gib eine kleine Menge Reiniger auf ein sauberes Mikrofasertuch und wische in einer Kreisbewegung von der Mitte zum Rand. Arbeite ruhig und ohne Druck. Du musst nicht schrubben; eine leichte Berührung genügt, um fettige Fingerabdrücke und eingetrocknete Feuchtigkeit zu entfernen.
Für Menschen, die regelmäßig mit einer Spiegelreflex- oder Systemkamera arbeiten, ist ein alkoholfreier Reiniger wichtig. Alkohol kann mit der Zeit die oberste Schicht der Beschichtung angreifen, besonders bei günstigeren Objektiven, bei denen die Beschichtung weniger robust ist. Ein Reiniger, der speziell für optische Oberflächen entwickelt wurde und biologisch abbaubar ist, bietet hier die sicherste Wahl. Der Magic Cleaner für 12,90 EUR ist ein solcher alkoholfreier, biologisch abbaubarer Reiniger, der für Objektive, Brillen und Glas geeignet ist und ein antistatisches, streifenfreies Finish verleiht.
Fingerabdrücke bestehen aus einer Mischung aus Hautfett, Schweiß und Schmutz. Sie sind unvermeidlich, besonders wenn du schnell ein Objektiv wechseln oder einen Filter anfassen möchtest. Das Schwierige daran ist, dass sich dieses Fett nicht in Wasser allein löst. Du brauchst ein leichtes Tensid, das das Fett löst, ohne die Beschichtung anzugreifen.
Wenn du es mit einem deutlichen Fingerabdruck zu tun hast, wiederhole die folgenden Schritte:
Für eingetrocknete Spritzer oder Vogelkot auf einem Objektiv, das draußen verwendet wurde, gilt ein zusätzlicher Rat: Versuche niemals, dies wegzukratzen. Befeuchte den Schmutz zuerst mit einem leicht feuchten Tuch und lass ihn kurz einwirken. Sobald der Schmutz aufgeweicht ist, kannst du ihn vorsichtig mit einer drehenden Bewegung entfernen. Erzwinge nichts und verwende niemals deinen Fingernagel oder einen harten Gegenstand.
Nicht jedes Mikrofasertuch, das du im Supermarkt kaufst, ist für optisches Glas geeignet. Viele günstige Tücher haben eine grobe Struktur oder enthalten Nähte und Etiketten, die Kratzer verursachen können. Wähle immer ein Tuch ohne Etikett, ohne Nähte und mit einer feinen, dichten Struktur, die speziell für Brillen oder Objektive gedacht ist.
Wichtig ist auch die Pflege des Tuchs selbst. Ein Mikrofasertuch muss regelmäßig gewaschen werden, aber nicht mit Weichspüler. Weichspüler hinterlässt eine fettige Schicht in den Fasern, wodurch das Tuch geradezu Schlieren bildet. Wasche das Tuch bei 30 bis 40 Grad mit einem neutralen Waschmittel und lass es an der Luft trocknen. Auf diese Weise bleibt die Aufnahmefähigkeit des Tuchs erhalten und du verhinderst, dass du Schmutz vom Tuch auf das Objektiv überträgst.
Darüber hinaus ist es ratsam, separate Tücher für dein Objektiv und zum Beispiel für deine Displays zu verwenden. Ein Tuch, das in deiner Tasche gelegen hat, kann Staubpartikel aufgenommen haben, die ein sauberes Objektiv beschädigen. Bewahre dein Objektivtuch deshalb in einem separaten Etui oder Beutel auf.
Ein UV- oder Neutralfilter, den du auf das Objektiv schraubst, wirkt als günstige Opferschicht. Wenn ein Wassertropfen auf der Frontlinse landet oder du versehentlich mit dem Finger an das Glas kommst, ist es oft der Filter, der verschmutzt wird, nicht das eigentliche Objektiv. Die Reinigung eines Filters kann mit denselben Schritten wie bei einem Objektiv erfolgen, aber du kannst etwas mehr Druck ausüben, da ein Filter weniger empfindlich ist als die Frontlinse mit ihren speziellen Beschichtungen.
Dennoch ist auch ein Filter nicht unzerstörbar. Die Beschichtung eines Filters ist oft weniger haltbar als die eines modernen Kameraobjektivs. Das bedeutet, dass du auch hier nicht mit aggressiven Mitteln arbeiten solltest. Ein einfacher alkoholfreier Reiniger, der zudem antistatisch wirkt, sorgt dafür, dass sich Staub weniger schnell ansammelt. Antistatische Eigenschaften sind praktisch, weil Staub dadurch weniger stark angezogen wird und die Reinigung länger wirksam bleibt.
Wenn du einen Filter abnimmst, bewahre ihn in einer Schutzdose auf und halte das Gewinde sauber und trocken, damit es nicht fest am Objektiv klemmt. Sand oder kleine Steinchen im Gewinde können nämlich Kratzer an der Metallfassung verursachen und dazu führen, dass sich der Filter schwerer lösen lässt.
Die beste Methode, um dein Kameraobjektiv sauber zu halten, besteht darin, Schmutz so weit wie möglich fernzuhalten. Verwende immer einen Objektivdeckel, wenn die Kamera nicht in Gebrauch ist, und bringe einen Schutzfilter an, wenn du in Umgebungen mit viel Staub, Sand oder Spritzwasser fotografierst. Achte auch darauf, wo du die Kamera ablegst. Ein Sandstrand oder die Rückbank eines Autos sind keine idealen Orte für eine offene Objektivfassung.
Wenn du das Objektiv wechselst, mache dies mit der Kamera nach unten
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